Aufklärung - Linux Zusatz: Mehr Kontrolle im Alltag -Technische Alternativen zu Google, Microsoft und WhatsApp
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[Jennifer Bristow, 23,02.26]

Digitale Werkzeuge jenseits der Großen: Technische Alternativen im Linux-Alltag
Wer an einem sonnigen Samstagmorgen ein Dokument schreibt, eine E-Mail versendet oder ein Foto bearbeitet, nutzt meist Programme, deren Herkunft und technische Struktur im Hintergrund bleiben. In den vergangenen Wochen stand in dieser Zeitung das Linux-Betriebssystem im Mittelpunkt – als Alternative zu Microsoft Windows, mit offenen Standards und transparenter Architektur. Im Anschluss daran haben sich, wie auch im Beratungsgespräch bei Jemke Solutions deutlich wurde, zahlreiche Kundinnen und Kunden nach konkreten Alternativen zu bekannten Diensten großer Technologiekonzerne erkundigt. Dieser Artikel versteht sich als eigenständige Ergänzung. Er zeigt, welche Programme im Alltag typische Anwendungen wie Google-Suche, Microsoft Office, WhatsApp oder den Windows Media Player ersetzen können – technisch fundiert, langfristig gepflegt und teilweise mit starkem europäischem Bezug.
Suche und Browser: Der Zugang zum Internet
Ecosia ist eine 2009 in Berlin gegründete Suchmaschine und kann im Alltag die Funktion der Google-Suche oder der Bing-Suche im Browser übernehmen. Gemeint ist ausschließlich die Websuche über das Suchfeld – nicht das Löschen von Google-Apps oder Systemdiensten auf dem Smartphone. Technisch verarbeitet Ecosia Suchanfragen verschlüsselt, anonymisiert IP-Adressen und speichert nach eigenen Angaben keine dauerhaft personalisierten Nutzerprofile. Als Grundlage dienen externe Suchindizes, die durch eigene Datenschutzmechanismen ergänzt werden. Ein besonderes Merkmal ist das Aufforstungsmodell: Werbeanzeigen neben den Suchergebnissen finanzieren weltweit Baumpflanz-Projekte. Im Durchschnitt reichen etwa 45 Suchanfragen aus, um einen Baum zu ermöglichen, wobei diese Zahl je nach Werbewert schwankt. Nach Unternehmensangaben wurden seit der Gründung mehrere hundert Millionen Bäume gepflanzt. Transparenzberichte dokumentieren regelmäßig Projektstandorte und Fortschritte. Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet der Wechsel lediglich eine neue Startseite im Browser – das Gerät selbst bleibt unverändert.
DuckDuckGo wurde 2008 gegründet und hat seinen Sitz in Pennsylvania, USA. Auch dieser Dienst ersetzt die Funktion der Google-Suche oder Bing-Suche im Browser. DuckDuckGo speichert keine individuellen Suchverläufe und erstellt keine personalisierten Nutzerprofile. Technisch werden Suchergebnisse aus eigenen Crawlern sowie Partnerquellen kombiniert. Im Unterschied zur Google-Suche werden Ergebnisse nicht auf Basis persönlicher Profile gefiltert. Für Anwenderinnen und Anwender bedeutet der Wechsel lediglich eine Umstellung der Standardsuchmaschine im Browser.
Brave Search ist Teil des 2015 gegründeten Unternehmens Brave Software mit Sitz in den USA. Die Suchmaschine betreibt einen eigenen Suchindex, um unabhängiger von bestehenden Suchanbietern zu sein. Brave Search speichert keine personenbezogenen Profile und integriert optionale Community-Signale zur Qualitätsbewertung von Ergebnissen. Auch hier wird ausschließlich die Suchfunktion im Browser ersetzt, nicht das Betriebssystem oder andere Google-Dienste.
Der Brave Browser kann Programme wie Google Chrome oder Microsoft Edge ersetzen. Er basiert technisch auf Chromium, integriert jedoch standardmäßig Tracker-Blocker, Schutz vor Fingerprinting und automatische HTTPS-Erzwingung. Sicherheitsupdates erscheinen regelmäßig im Gleichklang mit der Chromium-Entwicklung. Der Ecosia Browser ersetzt ebenfalls Chrome oder Edge und kombiniert eine Chromium-Basis mit integrierter Tracking-Blockade sowie voreingestellter Ecosia-Suche. Beide Browser ermöglichen normales Websurfen, reduzieren jedoch standardmäßig Datensammlung im Hintergrund.

Produktivität und Cloud: Arbeiten mit offenen Standards
LibreOffice ersetzt Microsoft Office. Die Software wird seit 2010 von der gemeinnützigen The Document Foundation mit Sitz in Berlin betreut. Sie umfasst Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationen und Datenbankfunktionen und unterstützt offene Dokumentformate. Viele Microsoft-Dateien lassen sich öffnen und bearbeiten. Größere Updates erscheinen in der Regel halbjährlich, Sicherheitskorrekturen bei Bedarf kurzfristig. Für Linux-Nutzer ist LibreOffice häufig bereits vorinstalliert und übernimmt im Alltag dieselben Aufgaben wie Word, Excel oder PowerPoint.
Nextcloud ersetzt Cloud-Dienste wie Microsoft OneDrive oder Google Drive. Das 2016 gegründete Unternehmen mit Sitz in Deutschland bietet eine modulare Server-Software, die auf eigenen Servern oder bei europäischen Hostern betrieben werden kann. Technisch ermöglicht Nextcloud Datei-Synchronisation, Kalender, Kontakte sowie kollaborative Dokumentbearbeitung. Updates erscheinen regelmäßig, Sicherheitslücken werden zeitnah geschlossen. Der zentrale Unterschied zu OneDrive oder Google Drive besteht darin, dass Speicherort und Zugriffsrechte selbst bestimmt werden können.
Bitwarden ersetzt Passwortmanager wie LastPass oder die integrierten Passwortspeicher von Google und Microsoft. Das 2016 gegründete Unternehmen stellt einen quelloffenen Passwortmanager bereit, der Zugangsdaten Ende-zu-Ende verschlüsselt speichert. Bitwarden kann selbst gehostet oder als Cloud-Dienst genutzt werden. Sicherheitsupdates erscheinen regelmäßig, der Quellcode ist öffentlich einsehbar. Für Linux-Nutzer steht eine plattformübergreifende Integration zur Verfügung.
Medien, Sicherheit und Kommunikation im Alltag
ClamAV ersetzt klassische Antivirenprogramme wie Windows Defender – insbesondere dann, wenn Linux-Systeme Dateien prüfen oder in gemischten Netzwerken eingesetzt werden. Das 2002 gestartete Open-Source-Projekt stellt regelmäßig aktualisierte Virensignaturen bereit und lässt sich in Server-Umgebungen integrieren. Während Linux durch sein Rechtesystem weniger anfällig für typische Windows-Schadsoftware ist, dient ClamAV der zusätzlichen Absicherung beim Datenaustausch.
Der VLC Media Player ersetzt Programme wie den Windows Media Player.
Das ursprünglich 2001 gestartete VideoLAN-Projekt mit Wurzeln in Frankreich entwickelt den Player kontinuierlich weiter. VLC unterstützt eine große Bandbreite an Audio- und Videoformaten ohne zusätzliche Codec-Installation. Sicherheitsupdates erscheinen regelmäßig. Für viele Nutzer ersetzt VLC sämtliche Standard-Medienplayer vollständig.
PDF24 ersetzt zentrale Funktionen von Adobe Acrobat, insbesondere beim Zusammenführen, Konvertieren oder Bearbeiten von PDF-Dateien. Die Software wird seit 2006 von einem deutschen Entwicklerteam betrieben und kann lokal installiert werden. Dokumente verbleiben bei Offline-Nutzung auf dem eigenen Rechner. Regelmäßige Updates sorgen für Kompatibilität mit aktuellen PDF-Standards.
GIMP ersetzt Programme wie Adobe Photoshop. Seit 1996 wird die Software von einer internationalen Open-Source-Community entwickelt. GIMP bietet Ebenentechnik, Retusche-Werkzeuge, Farbkorrekturen und zahlreiche Erweiterungen. Updates erscheinen kontinuierlich, größere Versionssprünge bringen Interface- und Leistungsverbesserungen. Für viele Bildbearbeitungsaufgaben im privaten oder semi-professionellen Bereich kann GIMP proprietäre Programme vollständig ersetzen.
Threema ersetzt Messenger wie WhatsApp, unterscheidet sich jedoch strukturell deutlich in Architektur und Datenverarbeitung. Der Dienst wurde 2012 in der Schweiz gegründet und hat seinen Sitz in Pfäffikon im Kanton Schwyz. Die Server stehen in der Schweiz und unterliegen dem dortigen Datenschutzrecht. Technisch setzt Threema konsequent auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Nachrichten werden bereits auf dem Gerät verschlüsselt und können ausschließlich vom Empfänger entschlüsselt werden. Anders als bei WhatsApp ist keine verpflichtende Verknüpfung mit einer Telefonnummer notwendig; stattdessen wird eine zufällig generierte Threema-ID erstellt. Telefonnummer oder E-Mail können optional hinterlegt werden, sind jedoch nicht zwingend erforderlich.
Ein wesentlicher Unterschied liegt im Umgang mit Metadaten. Während bei vielen Messengern wie WhatsApp Verbindungsdaten – also wer wann mit wem kommuniziert – technisch anfallen und ausgewertet werden, speichert Threema nach eigenen Angaben nur die minimal notwendigen Informationen für die Zustellung von Nachrichten. Nachrichten werden nach erfolgreicher Übertragung vom Server gelöscht.
Das Geschäftsmodell basiert auf einer einmaligen Kaufgebühr der App.
Die Privatversion von Threema kostet einmalig 3,99 Euro. Nutzer erhalten dafür einen werbefreien Messenger mit datensparsamer Architektur,
der nicht in ein datengetriebenes Plattformökosystem eingebunden ist.
Funktional ersetzt Threema WhatsApp vollständig – Einzelchats, Gruppen, Medienversand, Sprachnachrichten – verfolgt jedoch ein deutlich datensparsameres Grundprinzip.

Fazit: Technische Souveränität als bewusste Entscheidung
Aus IT-journalistischer Sicht zeigt sich ein klares Muster: Für nahezu jede verbreitete Anwendung großer Technologiekonzerne existiert heute eine technisch ausgereifte Alternative. Diese Programme ersetzen etablierte Dienste funktional weitgehend, setzen jedoch stärker auf offene Standards, transparente Architektur und teilweise europäische Rechtsräume. Besonders im Linux-Umfeld fügen sich diese Werkzeuge nahtlos ein, da sie strukturell auf ähnliche Prinzipien setzen: modulare Systeme, regelmäßige Sicherheitsupdates und nachvollziehbare Entwicklungsprozesse.
Der Wechsel bedeutet dabei keinen radikalen Bruch mit gewohnten Abläufen. In den meisten Fällen wird lediglich eine Funktion ersetzt – die Websuche im Browser, die Office-Software, der Messenger oder der Medienplayer. Das Gerät selbst bleibt unverändert. Digitale Selbstbestimmung entsteht nicht durch vollständige Abkehr von bestehenden Plattformen, sondern durch informierte Entscheidungen über einzelne Werkzeuge. Wer versteht, welche technische Rolle ein Programm erfüllt, kann gezielt auswählen – Schritt für Schritt.








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