Aufklärung XXL T1: Linux als Alternative zu Windows - Warum freie Betriebssysteme plötzlich wieder gefragt sind
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Warum immer mehr Menschen nach europäischen Alternativen suchen
An einem Dienstagvormittag steht ein älterer Stammkunde im Laden. Sein Laptop funktioniert noch einwandfrei, der Bildschirm ist gut, die Tastatur sauber. „Eigentlich brauche ich keinen neuen“, sagt er. „Aber ich habe gehört, Windows 10 läuft bald aus. Und ehrlich gesagt – ich möchte nicht immer nur bei amerikanischen Konzernen landen. Gibt es da nichts anderes?“
Diese Frage fällt inzwischen häufiger in unserem Shop in der Triebstraße 61. Nicht aus Technikbegeisterung, sondern aus einem Bedürfnis nach Orientierung, und Vereinfachung. Datenschutz, geopolitische Spannungen und die wachsende Abhängigkeit von großen Plattformanbietern führen dazu, dass viele Menschen erstmals ernsthaft über Alternativen zu Windows nachdenken. In diesem Zusammenhang taucht ein Name immer wieder auf:

Doch was ist Linux eigentlich? Und ist es realistisch, dass ein ganz normaler Privatanwender damit arbeitet?
Was Linux ist – und was nicht
Linux ist kein einzelnes Produkt, sondern ein Betriebssystem. Ein Betriebssystem ist die grundlegende Software eines Computers – also das System, das Programme startet, Dateien verwaltet und dafür sorgt, dass Maus, Tastatur und Internet funktionieren. Windows ist ein Betriebssystem. macOS von Apple ebenfalls. Linux auch.
Der entscheidende Unterschied: Linux gehört keinem einzelnen Konzern. Es handelt sich um ein sogenanntes Open-Source-Projekt. „Open Source“ bedeutet, dass der Programmcode öffentlich einsehbar ist und von Entwicklern weltweit weiterentwickelt werden darf. Große Teile der Entwicklung finden in Europa statt, bekannte Varianten wie Ubuntu oder Linux Mint werden außerhalb klassischer US-Konzernstrukturen gepflegt.
Technisch existiert Linux seit den 1990er-Jahren. Seit Jahrzehnten läuft es stabil auf Servern – also auf Rechnern, die Internetseiten, E-Mail-Dienste oder Cloudsysteme betreiben. Ein großer Teil des Internets basiert auf Linux. Für Privatanwender galt das System jedoch lange als technisch anspruchsvoll. Dieses Bild hält sich bis heute – obwohl es mit der aktuellen Realität nur noch bedingt übereinstimmt.
Warum das Thema gerade jetzt an Bedeutung gewinnt
Der aktuelle Impuls ist weniger technischer Natur als strategischer. Microsoft hat im Oktober 2025 den Support für Windows 10 beendet. „Support“ bedeutet: Es werden keine Sicherheitsupdates mehr bereitgestellt. Sicherheitsupdates schließen bekannte Schwachstellen. Ohne diese Korrekturen steigt langfristig das Risiko für Schadsoftware.
Gleichzeitig erfüllen viele ältere, technisch noch einwandfreie Geräte die Anforderungen von Windows 11 nicht. Häufig fehlt ein bestimmtes Sicherheitsmodul oder der Prozessor steht nicht auf der offiziellen Kompatibilitätsliste. Für viele Haushalte entsteht dadurch ein Spannungsfeld: funktionierende Geräte, die aus Softwaregründen ersetzt werden sollen.
Hier wird Linux interessant. Viele Linux-Systeme laufen auch auf älterer Hardware stabil und ressourcenschonend. Fachmedien wie Heise Online oder c’t weisen seit Monaten darauf hin, dass freie Betriebssysteme dadurch eine realistische Option für Bestandsgeräte darstellen können.
Mit dieser Überlegung taucht jedoch fast immer eine zweite Frage auf: Ist Linux nicht kompliziert?
Viele verbinden das System noch immer mit einem schwarzen Bildschirm und einer blinkenden Eingabezeile. Dieses Bild stammt aus einer Zeit, in der Linux überwiegend von Technikern eingesetzt wurde und die sogenannte Kommandozeile – eine Texteingabeoberfläche – ein zentrales Werkzeug war. Für heutige Privatanwender spielt sie im Alltag kaum eine Rolle.
Aktuelle Linux-Varianten bieten grafische Benutzeroberflächen, die Windows bewusst ähneln: Fenster, Startmenü, Taskleiste, Mausbedienung. Wer einen Ordner öffnet, ein Dokument speichert oder das WLAN auswählt, tut das per Klick.
Ein praktischer Unterschied zeigt sich bei der Installation von Programmen. Unter Windows wird häufig im Internet nach einer Installationsdatei gesucht. Diese wird heruntergeladen, gestartet und durch mehrere Installationsschritte begleitet. Unter vielen Linux-Systemen existiert dagegen eine zentrale Softwareverwaltung. Sie funktioniert ähnlich wie ein App-Store: Programm auswählen, installieren – das System übernimmt den Rest.
Auch bei Updates zeigt sich eine andere Struktur. Windows führt regelmäßig größere Systemaktualisierungen durch, die Neustarts erfordern können. Linux bündelt System- und Programmupdates meist in einer gemeinsamen Übersicht. Der Nutzer entscheidet, wann diese eingespielt werden.
Das bedeutet nicht, dass Linux grundsätzlich einfacher oder schwieriger ist. Bestimmte Spezialprogramme, Treiber oder individuelle Anpassungen können erklärungsbedürftig sein. Doch das verbreitete Bild eines Systems, das ausschließlich über Befehle gesteuert wird, entspricht längst nicht mehr der Realität.

Strategische Einordnung und vorsichtiger Ausblick
Linux ist keine ideologische Gegenbewegung, sondern ein technisches Werkzeug mit einem anderen Entwicklungsmodell und einer anderen Marktlogik als Windows.
Während Windows als kommerzielles Produkt lizenziert wird, sind viele Linux-Varianten kostenfrei nutzbar. Unternehmen verdienen hier weniger am Verkauf einzelner Installationen, sondern an Support, Beratung oder maßgeschneiderten Lösungen. Gleichzeitig wird auf europäischer Ebene verstärkt über digitale Souveränität diskutiert – also über die Frage, wie abhängig Staaten und Institutionen von einzelnen Softwareanbietern sein sollten.
Im privaten Umfeld bleibt Windows vorerst marktführend. Ein Umstieg auf Linux ist keine pauschale Empfehlung, sondern eine individuelle Entscheidung. Für ältere Geräte kann es eine nachhaltige Option sein. Für spezielle berufliche Anwendungen bleibt Windows häufig weiterhin sinnvoll.
Spannend wird es im konkreten Alltag: Welche Programme stehen zur Verfügung?
Wie unterscheidet sich die Dateiverwaltung? Und wie fühlt sich ein Wechsel tatsächlich an?
In der kommenden Ausgabe nehmen wir die Nutzung und die Unterschiede genauer unter die Lupe – vom ersten Startbildschirm bis zum ganz normalen Arbeitsalltag. -






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